Inzwischen fuhr Nashe mit sechzig Meilen; er fegte die gewundene schmale Landstrasse entlang und empfand sich vollkommen als Herr der Lage. Die Musik hatte Murks und Floyd weit in den Hintergrund seines Bewusstseins gedrängt, und er hörte nichts anderes mehr als die vier Streichinstrumente, die ihre Klänge in den dunklen umschlossenen Raum ergossen. Dann war er auf siebzig, und gleich darauf hörte er, wie Murks ihm durch einen Hustenanfall etwas zurief. "Du blöder Idiot", hörte Nashe ihn schreien. "Du fährst zu schnell!" An Stelle einer Antwort drückte Nashe aufs Gas, beschleunigte auf achtzig und nahm die Kurve mit leichtem und sicherem Griff. Was wusste Murks schon vom Fahren? dachte er. Was wusste Murks überhaupt von irgend etwas?

Genau in dem Augenblick, als der Wagen auf fünfundachtzig kam, beugte Murks sich vor und machte das Radio aus. Die plötzliche Stille wirkte auf Nashe wie ein jäher Schock, und automatisch drehte er sich zu dem Alten um und sagte, er solle sich um seine eigenen Angelegenheiten kümmern. Als er den Blick unmittelbar darauf wieder der Strasse zuwandte, sah er den Scheinwerfer schon auf sich zukommen. Er schien aus dem Nichts aufzutauchen, ein Zyklopenstern, der genau auf seine Augen zuschoss, und in jäher Panik hatte er nur noch den einen Gedanken, dass dies also sein letzter Gedanke sei. Zeit zum Anhalten blieb nicht mehr, es war nichts mehr zu machen, und daher trat er nicht auf die Bremse, sondern drückte nur noch fester aufs Gaspedal. In weiter ferne hörte er Murks und seinen Schwiegersohn aufheulen, doch ihre Stimmen klangen gedämpft, wurden übertönt vom Brausen des Bluts in seinem Kopf. Und dann war das Licht direkt vor ihm, und unfähig, noch länger hineinzustarren, schloss Nashe die Augen

(Paul Auster - Die Musik de Zufalls)

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